Stracciatella, Amarena, Malaga und Himmelblau

Ob eine Kugel im Hörnchen oder der Riesen-Fruchtbecher …….Salvatore hält für jeden Geldbeutel und Geschmack die kühle Köstlichkeit für seine großen und kleinen Kunden bereit.

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Wenn der Himmel "azzurro" ist und "o sole mio" scheint, dann stellt Salvatore noch ein paar Stühle und Tische mehr nach draußen. Im Eiscafé "Venezia" herrscht um 10 Uhr morgens geschäftiges Treiben. Es durftet nach Kaffee und einige Gäste haben schon Platz genommen. Karl-Heinz kommt jeden Morgen hierher, trinkt seinen Espresso und liest die neuesten Nachrichten in der Tageszeitung. So wie er möchten viele Deutsche das italienische Flair in unseren Fußgängerzonen nicht mehr missen, es gehört mittlerweile zu unserem Leben.

Italien wurde für die Deutschen in den 50er Jahren zum Land der Träume. Erstmals ging es in den Urlaub über die Alpen in den Süden, wo immer die Sonne scheint. Dieses leichte Lebensgefühl wünschten sich die Deutschen auch für ihren Alltag.

In dieser Zeit öffneten in unseren Städten nach und nach immer mehr Eiscafés ihre Pforten. Im Gegensatz zu den Cafés mit Kaffee und Kuchen trafen sich dort überwiegend junge Leute……und sicherlich begann so manche lebenslange Romanze hier mit einem "Bananenflip".

Unvergessen bleibt ebenso der italienische Eismann, dessen helle Klingel alle Kinder wie magisch anzog, wenn er durch die Straßen fuhr, um sie für einen oder manchmal sogar für zwei Groschen mit seinem Eis glücklich zu machen? Ja, damals bereiteten Kleinigkeiten noch große Freude. Manchmal findet man auch heute noch einen italienischen Eisverkäufer, der mit seinem Verkaufswagen unterwegs ist. Doch längst stehen Kinder hier nicht mehr in der Schlange für eine Eiskugel. Die Zeiten haben sich eben geändert.

Eis wurde schon in der Antike zum Verzehr hergestellt. Damals pürierte man Früchte, Honig und Rosenwasser mit Eisbrocken, die der Winter "produzierte". Sie wurden in tiefen Kellern gelagert und im Sommer herausgeholt. Die Italiener des 17. Jahrhunderts erweckten diese Erfrischung zu neuem Leben, besonders für den europäischen Adel.

Es war auch ein Italiener, der 1672 in Paris das erste Eiscafé eröffnete. Erst 1799 kam das Eis aus Italien nach Hamburg. Als Carl Linde 1876 die Kältemaschine erfand, begann die Massenproduktion in Sachen Eis.

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann die ersten "Gelatiere" nach Deutschland. Sie kamen aus dem Zoldotal in den Dolomiten. Dies war eine arme Gegend, und um ihre Familien ernähren zu können, zogen sie als Wandergastronomen nach Deutschland. Bald schon schlossen sie sich in der Eisherstellung zusammen und kamen mit ihren Handkarren in die deutschen Städte.

Noch heute kommen viele Eiscafé-Besitzer aus diesem Tal. Bis vor wenigen Jahren kehrten sie im Winter auch immer wieder hierher zurück.

Jedoch nicht alle Eiscafé-Besitzer stammen aus Südtirol. Einige nennen Sizilien als ihre Heimat, denn aus Sizilien kommt das Sorbet. Das Sorbet wurde während der Besetzung der Insel durch die Araber erfunden. Man mischte Schnee vom Ätna mit dem Saft der Orangen aus dem Umland oder mit arabischen Maulbeeren. Für eine besondere Festigkeit sorgt Zucker aus dem Orient, dessen kleine Kristalle auf der Zunge schmelzen. Auch die Sizilianer suchten einen Weg aus ihrer verarmten Heimat und der führte sie ebenfalls in die nördlicheren Gefilde.

Es ist Ehrensache, ein "Gelatiero" macht sein "Gelato" immer noch selbst. Einen Teil seiner Zutaten kommen –wie sollte es auch anders sein- immer noch aus der Heimat, mit der er somit stets verbunden ist. Deshalb schmeckt es so unvergleichlich.

Auch wenn ein gutes Eis aus der Kühltheke cremig, fruchtig und lecker ist,

Stracciatella, Amarena, Malaga, himmelblau usw. vom Italiener nebenan sind auf jeden Fall etwas ganz Besonderes und immer eine Sünde wert.