"Nein" sagen will gelernt sein.....


.....oder  "ich kann meine Schnute nicht halten!"
Eine kleine Geschichte von unserer Gastautorin. Viel Spaß beim Lesen!

Ostsee

Kühlere Temperaturen, grauer Himmel mit sanftem Regen. Die Natur erhält ihre satten Farben zurück.

Einfach herrlich nach der Hitze...

Ein Aufatmen nicht nur für die Natur, sondern auch für uns Menschen.

Und ich bin gerade noch rechtzeitig mit meiner Arbeit fertig geworden, um das zu genießen. Nun habe ich auch wieder Zeit für ein paar Gedanken.

Was macht Otto Normalverbraucher im Sommer?

Fliegt in den Urlaub. Und was mache ich?

Biete meine Hilfe an, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

Tapezieren und Streichen wurde erbeten.

Kann meine Schnute nicht halten.

Muss immer „hier“ schreien...

Aber ganz ehrlich, einige Menschen kommen zu den unmöglichsten Zeiten auf die Idee, ihre Wohnungen zu verschönern.

Zum Beispiel in den Wintermonaten.

Heizt man nun den Raum, der verschönert werden soll oder doch lieber nicht?

Flecken sollen ja beim Streichen der Wände vermieden werden, dafür muss der Raum eine gewisse Temperatur anzeigen. Möchte man die Fenster öffnen, um den Geruch der frisch gestrichenen Farben loszuwerden, friert man sich den Hintern ab. Heizt man aber doch, geht man Gefahr, dass der Garten anfängt zu grünen und zu blühen.

Oder wie jetzt im Sommer, wenn die Hitze den Leim schneller trocknen lässt, als man die Tapeten an die Wände kleben kann. Auch ist die Luftfeuchtigkeit hoch. Man kann zwar die Fenster aufreißen, aber die feuchte Luft von innen und die feuchte Luft von draußen halten dann ein Kaffeekränzchen. Während man sich verzweifelt fragt, ist das nun Tapetenkleister auf der Tapete oder noch nicht getrocknete Feuchtigkeit?

Statt wie normale Menschen ihr Urlaubsgeld zu nehmen und in den Urlaub zu fahren oder fliegen, sich müßig in einen Strandkorb oder Liegestuhl am Strand zu fletzen, mache ich eine Schwitzkur beim Verschönern von Wänden.

Bin auch zu dämlich, warum kann ich nicht nein sagen?

Weil ich weiß, dass meine Kinder für solche Arbeiten keinen Nerv haben. Die Wände sind  hinterher zwar neu renoviert, aber man darf nicht scharf hinsehen. Besser ist, man schaut überhaupt nicht hin, denn von dem scharfen Blick rollt sich die Tapete wieder von den Wänden ab.

Für mich ist es eine spannende Sache, wie sich ein Zimmer durch Tapete und Farbe total verändert.

Ich mache es gerne, es macht mir einfach Spaß. Wenn ich doch hinterher nicht so total erledigt wäre!

Urlaubsreif, reif für die Insel.

Aber ich darf mich nicht beschweren, ich habe ja immer Urlaub und nun auch genügend Zeit, um das „Nein-sagen-können“ zu üben.

© diekleinebenzmann