Vor der Adventszeit


Der 1. Advent steht vor der Tür. Es gibt viel zu tun. Unsere Gastautorin hat viele Helfer, aber lesen Sie selbst ihre bezaubernde Geschichte!

vor der Adventszeit wird alles schön geschmückt


Vor der Adventszeit

Was ist denn hier los?

Ein brummelndes Stimmengewirr kommt mitten in der Nacht aus meinem Wohnzimmer. Vorsichtig öffne ich die Tür einen Spalt breit und spähe hindurch. Teelichter und Kerzen erhellen sacht den Raum. Was ich zu sehen bekomme, setzt mich in Erstaunen.

Auf den Fenstersims, vor dem Tannenwald und den Fenstern, an denen grüne Girlanden, umwunden mit roten Bändern und Schleifen ranken, haben sich Weihnachtsmänner um eine dicke Kerze versammelt. Sie sind lustig anzusehen, dicke, dünne, große, kleine. Sie diskutieren heiß, aber so leise wiederum, dass ich nicht genau verstehen kann, um was es sich dreht. Höre nur Nordpol, Milchstraße und was von Schlitten, die nicht rechtzeitig die Werkstatt verlassen können.

Vom Mediaschrank her, klingt himmlische Musik, dort huschen entzückende Engelchen hin und her, singen dabei Adventslieder und schmücken mein Wohnzimmer. In dem kleinen Dorf auf dem hohen Kommodenschrank schieben Schneemänner von hohen Schneehaufen Schnee in die Straßen. Die Teelichter flackern in den Häuschen und verbreiten anheimelndes Licht.

Vorsichtig schließe ich wieder die Tür und gehe Richtung Küche, von dort kommt mir ein verführerischer Duft nach brauner Butter, Zimt, Zucker, Koriander und Mandeln entgegen.

Ein großer Weihnachtstern beleuchtet seine Umgebung. Auch hier ist schon alles geschmückt. Kleine Sterne hängen am Fenster und blinken mir zart zu, in rot und weiß.

Ein Rentier sitzt lässig am Fenster auf einem Schlitten und knabbert genüsslich am Katzengras, das dort für meine Katzen im Blumentopf steht. Es schaut mich ganz verwundert an, zuckt dann aber etwas ratlos mit den Schultern. Anscheinend wartet es auf einen der Weihnachtsmänner.

Dann entdecke ich die noch offenstehenden Weihnachtsplätzchendosen auf der Arbeitplatte. Das noch warme Aroma steigt mir in die Nase. Mhhhah, wie köstlich!

Heidesand, Dänische braune Plätzchen, Haferflockenplätzchen, Florentiner in Rombenform, Rosinenstangen, Kokossterne und ein noch nicht hartgewordener „Igel“, manche sagen auch „Kalter Hund“ dazu, steht in der ausgeschlagenen Kastenform. Auf einem Rost daneben kühlt mein von mir geliebter Haselnusskranz aus und glänzt mich mit seinem Zuckerguss strahlend an, und wie kann es anders sein, da steht auch der vielgeliebte Mohnstriezel mit dicken Streuseln und Zuckerguß. Dem kann ich nur schwer wiederstehen und klaube ihm einen Streusel vom Haupt.

Mir fängt der Magen an zu knurren, bei all den Gerüchen. Ich greife in eine der Dosen nach einem Plätzchen und lasse es wieder erschrocken fallen, denn hinter mir hat das Rentier bitterböse aufgeschnaubt und heftig mit den Hufen gescharrt, wobei die Glocke an seinem Hals anfing, schrill zu bimmeln.

Aha, es hat wohl die Order aufzupassen, damit niemand vor dem 1. Advent in die Dosen greift und spielt nun den Zerberus?

Ja, wenn das so ist, verziehe ich mich wieder und überlasse den Weihnachts- und Schneemännern, sowie den Engelchen und dem Haus- und Hofhund die weitere Arbeit.

Schlafe lieber noch eine Runde, bis die Katzenbande mich morgen früh weckt.

©diekleinebenzmann