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Gastautoren

Ach, wäre ich doch ein Panzer!

Ein Kleinwagen berichtet aus seinem Alltag.......viel Spaß beim Lesen!

Ich wünschte mir, ich wäre ein PANZER

Kleine Auto sind eher sparsame Autos. Sie verbrauchen weniger Kraftstoff beim Fahren, weniger Wasser und Putzmittel ,wenn sie gewaschen werden, und das Einparken ist auch kein Problem, denn Parkplätze finden sich fast überall. Sie sind klein und wendig, quadratisch , praktisch , gut...

Der Nachteil ein Auto von geringer Größe zu sein ist, sie haben eine geringe Pufferzone bei Unfällen und das größte Problem ist, dass sie von einigen Anderen nicht für vollwertige Autos angesehen werden.

Darum erzähle ich euch einmal, wie es mir so als kleines Auto geht.

Ich muss gestehen, dass ich einige Probleme im Straßenverkehr habe. Nicht mit mir oder gar mit meiner Halterin, nein, mit anderen, größeren Autos.

Hochnäsig schauen sie auf mich herunter, wenn sie überhaupt schauen, meistens übersehen sie mich. Schlimm ist es, wenn sie meinen, meine Lenkerin und ich wären Fahranfänger, dabei hat meine Lenkerin seit 50 Jahren ihren Führerschein und fährt seitdem.

Einmal, als sie die Garage aufräumte, hatte sie ein rotes merkwürdig geformtes Kennzeichen in der Hand und auf meine Frage hin, was das für ein Ding sei, erklärte sie mir, es ist ihr Nummernschild gewesen von einer Rallye Hanseatik vor vielen Jahren. Also kann ich mit Fug und Recht behaupten, sie ist eine geübte Autofahrerin und es ist schlimm, dass wir beide nicht ernst genommen werden.

Ich bin zwar klein, aber ganz schön flott unterwegs. Auf meinem Tacho stehen zweihundertzwanzig, aber auf Autobahnen fahre ich, wenn ich mal darf, hundertsechzig und wenn es sein muss, auch mal hundertachtzig, aber dann ist nur fliegen schöner.

Ansonsten wird immer nur das gefahren, was erlaubt ist. Geht auch prima mit dem Tempomat, oder ich passe mich dem Verkehrsfluss an. Und trotzdem werde ich immer überholt, auch an ganz gefährlichen Ecken und Strecken.

Dadurch sind wir beide schon öfters in ganz gefährliche Situationen gebracht worden.

Da meine Halterin, vor mir einen Mercedes Kombi gefahren hat, schimpft sie besonders, wenn ihr nun mit mir, ständig die Vorfahrt genommen wird von „großen“ Autos. Das ist schon super auffällig, dass ich von anderen Autos behandelt werde, als wäre ich nicht vorhanden.

Ihr glaubt gar nicht, wie oft mir schon das Herz in die Hosentasche geplumpst ist, und ich total zitternd am Straßenrand stand.

Bisher hatten wir immer Glück und es ging gut aus.

Zwar flucht meine Menschenfrau dann immer ganz fürchterlich, ich kann sie aber gut verstehen.

Einmal, nachdem sie wieder einmal ein Vollbremsung hinlegen musste (dank mir und der guten Scheibenbremsen war es gelungen), saß sie, weiß wie eine Wand, ganz ruhig und still auf einem meiner bequemen Sitze. Nach einer kleinen Ewigkeit fuhren wir dann im Schneckentempo weiter... Nun konnte ich die anderen Autos auch verstehen, als sie uns überholten. Dann, als wir endlich zu Hause angekommen waren, streichelte mich meine Menschenfrau, was mein Herz höher schlagen ließ und sprach zu mir: „Danke Hutschevittelchen, du hast mich heute gerettet“. Schwankend verschwand sie ins Haus.

Ich kann euch sagen, diesmal war es knapp gewesen. Ja, ich sah mich schon auf einer großen Halde mit vielen anderen Autos liegen, die geschrottet werden sollten.

Und ein Wunsch geisterte so durch meine Gedanken - ich wünschte mir, ich wäre ein PANZER.

© diekleinebenzmann

 

 

 

Foto: mk