"Ahlen tischt auf": Mit Flüchtlingen zu Mittag speisen
- Allgemeines
Es soll ein Zeichen der Gastfreundschaft sein, wenn am 12. März Ahlener Familien und Einzelpersonen in ihren Wohnungen zu Tisch bitten.
Eingeladen sind die gegenwärtig rund 220 geflohenen Menschen, welche in der Notunterkunft Westfalenkaserne untergebracht sind.
„Wir möchten ermöglichen, dass man sich von Mensch zu Mensch kennenlernen kann“, sagt Dr. Petra Gosda, die zum Initiativkreis der Aktion „Ahlen tischt auf“ zählt. Gemeinsam mit Pastoralreferent Ludger Seibert von der Katholischen Kirche und unterstützt durch das SINN-Netzwerk der Stadt Ahlen will die evangelische Pfarrerin eine Möglichkeit zu ehrenamtlichem Engagement bieten, aus dem keine langfristige Verpflichtung erwächst. Interessierte sind zu einem Vorbereitungstreffen am 3. März, um 19.30 Uhr, im Pauluszentrum an der Raiffeisenstraße 3, eingeladen.
Sich um den heimischen Herd versammeln und bei einem Mittagessen in gemütlichem Ambiente aufeinander zugehen, das ist das Ziel der Aktion, für das stadtweit Unterstützer gesucht werden. Damit das Miteinander nicht an Sprachbarrieren scheitert, stehen Dolmetscher zur Verfügung, die auf Wunsch mit am Tisch sitzen. Dass der Kontakt ohne Sprachmittler viel persönlicher sei, meint Gruppenleiter Thomas Schürmeyer aus dem städtischen Sozialamt: „Es macht gar nichts, wenn auch nur gebrochen Englisch oder Französisch gesprochen werden kann.“ Die Kommunikation funktioniere auch ohne große Worte.
ASB-Leiter René Kloppenburg und die für die Westfalenkaserne zuständige Ehrenamtskoordinatorin Jennifer Schwippe finden die Idee zum gemeinsamen Mittagessen gut, mahnen aber in bestimmten Bereichen Sensibiliät an. „In die Fluchtgeschichte sich zu vertiefen, ist sicherlich keine gute Idee“, lautet ihr Ratschlag. Die Gäste seien erst kurze Zeit in Deutschland, so dass in vielen Fällen die Eindrücke der beschwerlichen Reise noch nicht verarbeitet seien. Rücksicht gelte es auch bei den Speisen zu nehmen. Schweinefleisch und Alkohol seien bei Muslimen tabu, ansonsten solle der Umgang unbefangen sein: „Es sind ganz normale Menschen,“ betont Kloppenburg etwas Selbstverständliches.
Ein mehrgängiges Menue zu zaubern, sei im Übrigen nicht der Sinn des gemeinsamen Mittagstisches. „Es können ganz einfache Dinge sein“, zerstreut Petra Gosda die Furcht, es müsse eine Küchenschlacht ausbrechen. Im Mittelpunkt stehe die Chance, miteinander in Kontakt zu kommen. Sie habe häufig ein wahres „A-ha-Erlebnis“ bei Menschen erlebt, die zum ersten Mal mit Geflüchteten aus Syrien sprachen. Für das SINN-Netzwerk sieht dessen Koordinatorin Lena Leberl eine gute Gelegenheit, stärker in die Flüchtlingsarbeit einzutreten. Fachbereichsleiterin Ulla Woltering hat die Hoffnung, dass Teilnehmer der Aktion auf den Geschmack kommen und sich für ein längerfristiges Engagement erwärmen. Ein Nachtreffen im Anschluss soll dem weiteren Austausch dienen.