Der dynamische Norden
- Allgemeines
Was sich in dem Ahlener Stadtteil mittlerweile alles bewegt – Seniorenfrühstück ist der Renner, der Dorfmarkt eine Idee.
Von Andrea Wittmann
Ahlen (wk). Das gemeinsame Frühstück mit anschließendem Einkaufsbummel durch Ahlen ist der Renner bei den Senioren, „eigentlich darf man dafür schon keine Werbung mehr machen“, sagt Ingo Gall mit einem Schmunzeln. Überhaupt sei der Ahlener Norden „sehr dynamisch geworden“, findet der Sozialwissenschaftler.
Ingo Gall ist Ideengeber, Mittler und manchmal auch Kümmerer, er bringt die Menschen an einen Tisch, und das wortwörtlich: Zum diskutieren (bei den Stadtteilstammtischen) und zum gemeinsamen Genießen, wie bei dem Seniorenfrühstück in der Awo-Begegnungsstätte oder beim Mittagessen im Gemeindehaus St. Elisabeth.
Gall ist seit Juli vergangenen Jahrs für das Projekt „Altersgerechte Stadtteilentwicklung“ bei der Stadt Ahlen, Leitstelle „Älter werden in Ahlen“, angestellt und hat schon etliche Bürger mobilisiert, daran mitzuwirken. Angetan sei er von der vorhandenen Kompetenz und dem Wissen der Bewohner, die sich aktiv und immer wieder mit anderen Ideen einbrächten. Und zwar durchaus kritisch: „Sie sprechen auch Themen an, die problematisch sind“, so Gall in einer ersten Zwischenbilanz, um die ihn der „Wersekurier“ gebeten hat.
Ein großer Wunsch der Bürger sei eine bessere Versorgung des nördlichen Stadtteils mit frischen Lebensmitteln wie Frischfleisch und Käse. Eine erste Hilfestellung bietet nun eine Aufstellung, wo man im Ahlener Norden was bekommen kann, welcher Anbieter warmes Essen und Lebensmittel bringt und wann Verkaufswagen von Landwirten durch die Straßen fahren. Die Lieferdienste würde nämlich nicht jeder kennen, so Gall.
Im Wissen, dass es keine Tante-Emma-Läden mehr geben werde, in denen man einst alles bekommen habe, sei die Idee eines kleinen Dorfmarktes auf dem Gelände der Elisabeth-Kirche entstanden. Auch ein Lebensmitteltaxi in Zusammenarbeit mit dem Forum gegen Armut sei angedacht, doch dies sei nur nach Lebenslage interessant, hat Gall herausgefunden. Denn: Ältere Menschen möchten ganz gerne noch selbst in die Geschäfte gehen, oder besser: gefahren werden. „Einkaufen ist ein Erlebnis“, sagt Gall. Hier würden die Malteser weiterhelfen: Sie brächten Menschen, die gehbehindert und auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen seien, für fünf Euro zum Geschäft und würden auch den Einkauf an sich begleiten.
Die Einkaufsituation sei neben Mobilität (Bus- und Straßenverkehr) und Gestaltung und Begrünung des Stadtteils eines der großen Themen, mit denen sich die Teilnehmer der bislang fünf Stadtteilstammtische auseinandersetzten. Da die Bewohner mit dem vorhandenen Angebot nicht ganz zufrieden seien, hatte Gall auch schon einen, aber bislang vergeblichen Vorstoß in Richtung Netto und Lidl unternommen und deren Vertreter zu einem Stadtteilstammtisch eingeladen. Ebenfalls hätte er gerne einen Investoren-Vertreter für das ehemalige Thormann-Gelände an der Warendorfer Straße gehabt (dort sollte schon lange ein Edeka-Markt entstehen).
Nun wollen fünf Bewohner des Nordens bei der morgigen Bürgersprechstunde das Thema Nahversorgung dem Bürgermeister Dr. Alexander Berger vortragen.
Teil 2:
Auch Vorträge in Deutsch und Russisch denkbar
Ahlen (wit). Während das Seniorenfrühstück in der Awo-Begegnungsstätte vom ersten Mal an „wie am Schnürchen“ gelaufen sei, so komme man bei anderen Vorhaben wie dem „Eine-Welt-Garten“ an der Notunterkunft für Flüchtlinge in der ehemaligen Bodelschwinghschule momentan nicht weiter, sagt Ingo Gall, der sich um die altengerechte Quartiersentwicklung im Norden Ahlens kümmert.
An was es liegt, dass der Seniorenmittagstisch an jedem dritten Donnerstag im Gemeindehaus von St. Elisabeth an der Warendorfer Straße nicht so gut angenommen werde, wisse er auch nicht. „Vielleicht ist die Anmeldung zu umständlich“, rätselt er. Bis zum Mittwochnachmittag muss man sich dafür im Bürgerzentrum Schuhfabrik – von dort kommt auch das Essen – unter w (02382) 52 88 anmelden, oder bei Ise Einars, w (02382) 8 44 99. Kommen kann jeder, die Malteser bieten einen Fahrdienst an. Immerhin: „Die, die da waren, waren zufrieden“, so Gall zu den im Durchschnitt sieben, acht Besuchern.
Ein weiterer Wunsch Galls ist, dass Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen, die nicht so mobil seien, präsenter wären. Zusammen mit weiteren Partnern soll eine Gesundheitsreihe etabliert werden, Vorträge wären auch in Türkisch und Russisch denkbar. Dafür wünscht sich Gall Themenvorschläge, gerne auch von Gruppen.
Für das Ende der Projektlaufzeit (Februar 2018) steht dann noch der Wunsch, dass es zumindest eine kleine Arbeitsgruppe gibt, die die Stammtische im Ahlener Norden weiterführt.
Teil 3:
Info
Das Gebiet des Projekts „Altengerechte Quartiersentwicklung Ahlen Nord“ schließt einen großen Teil der Innenstadt mit ein, inklusive Krankenhaus, Fußgängerzone, St.-Marien- und St.-Bartholomäus-Kirche. Ingo Gall blickt zudem über den Tellerrand hinaus, auch der Westen ist zum Beispiel mit dem Elisabeth-Tombrock-Haus bei Veranstaltungen dabei.
Ingo Gall ist montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr beim Verein Alter und Soziales, Wilhelmstraße 5, erreichbar, Telefon (02382) 94 09 97 14, E-Mail: ingo.gall(at)alter-soziales.de. Internet: www.senioren-ahlen.de.
Bildtext:
Der Ahlener Norden ist größer, als man vielleicht denkt. Was alles dazugehört, wird in dem Plan, den Ingo Gall zeigt, von einem roten Dreieck eingeschlossen. Der Stadtteil reicht von der Langst (rechts oben) hinüber bis zur Kläranlage (links), die südlichste Spitze (unten) ist der Bereich Südstraße, Südenmauer und Südwall – dort, wo sich Bahnlinie und Werse kreuzen. Dienstsitz des Projektbeauftragten ist die Wilhelmstraße 5. Bild: A.Wittmann
Quelle: Wersekurier/Bild: Andrea Wittmann