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Frau Schulze-Hektik unterwegs: Wo ist der Regenschirm ?

Im Internet fand ich diese Geschichte......eine Kostprobe jüdischen Humors. Viel Spaß beim Lesen!

Wo ist der Regenschirm?

Mendel kommt zum Rabbiner und klagt ihm sein Leid:
„Rabbi, jemand hat mir gestohlen meinen schönen, neuen Regenschirm, den mit dem wertvollen Goldknauf.
Was mich aber viel mehr aufregt als der Verlust, ist dies: Ich kann den Gedanken nicht loswerden, dass es einer von der Mischpoche war. Etwa der Schwager, die Schwiegermutter – was weiß ich – womöglich gar der Vater, Gott behüte, oder mein eigener Bruder.
Stell dir vor, ein Dieb in der Familie!“
Der Rabbi denkt nach und sagt nach einer Weile:
„Hör’ gut zu, Mendel. Lad’ ein die ganze Mischpoche zu Kaffee und Kuchen. Den Schwager, die Schwiegermutter – was weiß ich – den Vater, Gott behüte – und den Bruder. Und wenn getrunken ist der Kaffee und gegessen der Kuchen, holst du das Buch auf den Tisch und mit schöner Stimme liest du ihnen vor die Zehn Gebote.
Und wenn du kommst zu dem Siebten Gebot – blickst du zum ersten Mal auf von deinem Buch und siehst dir an die Runde, die ganze Mischpoche. So aus dem Augenwinkel, du verstehst! Den Schwager, die Schwiegermutter – was weiß ich – den Vater, Gott behüte, und den Bruder.
Und was wirst du bemerken, Mendel? Der Schuldige wird sich verraten. Geh mit Gott, Mendel und komm’ wieder, um mir zu berichten.“
Schon zwei Tage später ist Mendel wieder da.
„Nu, was war?“, fragt ihn der Rabbi.
„Was soll ich dir sagen, Rebbe“, antwortet Mendel mit strahlendem Gesicht.
„Es war – es war einfach großartig. Genau wie du mir vorausgesagt hast, Rebbe!
Nach dem Kaffee und Kuchen hab’ ich angezündet die Kerzen, und mit schöner Stimme, so wahr mir Gott helfe, habe ich vorgelesen die Zehn Gebote: dem Schwager, der Schwiegermutter – was weiß ich – dem Vater, Gott behüte, und meinem Bruder.
Und, was soll ich dir sagen, wie ich komme zu dem Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“, da ist mir eingefallen, wo ich den Schirm hab’ stehenlassen!“

Foto: Margit Voeltz/pixelio.de