Friedrich Buchmann: "Das Zauber-Ei"
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Wieder einmal veröffentlichen wir von unserem Gastautor Friedrich Buchmann ein Märchen zum Lesen oder Vorlesen. Viel Spaß bei dieser österlichen Geschichte!
Das Zauber-Ei
Der Ostersonntag ist angebrochen. Die Sonne schickt ihre Sonnenstrahlen auf die Erde. Die ersten Mücken tanzen. Im Garten blühen die Schneeglöckchen und Krokusse. Ein leichter Windhauch bringt ihre Kelche zum Wanken.
Da geht die Tür des Bauernhauses auf und Hans und Liesa kommen mit ihren Osterkörbchen
in der Hand heraus. Hans sieht von weitem das erste Osterei. Er läuft wie ein schneller Hase dorthin. Auch Liesa hat das erste Osterei unter der Gartenbank gesichtet. Lila, so ist die Farbe des Ei´s. Doch als Liesa es in ihren Korb legen wollte, ist es nicht mehr lila, sondern grün.
Sie schüttel mit dem Kopf und denkt: "Bist du jetzt farbenblind". Sie lief rüber zu Hans, der mittlerweile weitere drei bunte Eier gefunden hat. Sie wollte es Hans erzählen, doch plötzlich sah sie, wie sich das Ei in ihrem Korb verfärbt und rot wurde.
"Hier geht etwas nicht mit richtigen Dingen zu", dachte sie. Auch Hans hat gesehen, wie sich das Ei verfärbt hat und gleich bietet er Liesa seine gefundenen Eier zum Tausch an. Er wollte unbedingt das Ei haben. Aber Liesa möchte das Ei behalten. Die beiden Kinder suchen noch den ganzen Garten nach Ostereiern ab. Als sie fertig waren, hatte Hans sieben und Liesa nur fünf Eier, aber eins davon änderte ständig seine Farbe. Mal war es rot, grün, lila, und auch dann goldig.
Die beiden Kinder gingen wieder ins Haus und zeigten die Körbe ihren Eltern. Auch die Eltern wunderten sich über Liesa´s Ei, welches ständig die Farbe wechselte.
"Das geht wirklich nicht mit rechten Dingen zu" , sagte der Vater und nahm es in die Hand. Er drehte es und bemusterte das Ei von allen Seiten, dann bekam das Ei einen besonderen Platz im Wohnzimmerschrank. Es stand auf einem Eierbecher und leuchtet in allen Farben.
Der Abend kam, und da hatte das Ei plötzlich einen bunten Lichtschein um sich. Der Lichtschein leuchtet immer in der Farbe des Ei`s und macht den Raum ganz hell. Nach dem Abendbrot, wuschen sich die beiden Kinder, putzten ihre Zähne und gingen zu Bett. Liesa konnte vor Wirrwarr um das Ei nicht einschlafen. Hans hatte ein paar Schäfchen gezählt und war gleich eingeschlummert.
Da hörte Liesa ein leises Rufen: "Liesa, Liesa!" Sie sah über sich eine Elfe fliegen. Liesa rief zu ihr hoch : "Wer bist du?" "Ich bin die Frühlingselfe", bekam sie zur Antwort . "Ich habe dir durch den Osterhasen die Frühlingsfarben gebracht. Das buntfarbige Osterei ist ein ganz besonderes Ei. Es bringt uns jedes Jahr zu Ostern die Farben des Frühlings. Pass gut auf das Ei auf und lass es dir nicht von der bösen Eisfee mopsen. Wenn die eiskalte Erscheinung das Ei bekommt, werden im Frühjahr alle Blumen schneeweiß und nicht farbig. Der Rasen wird nicht grün, sondern grau. Eine Eisschicht zieht sich über die Erde. Auch den Tieren und euch Menschen geht es nicht gut. Sie müssen alle sehr hungern."
"Wo soll ich das Ei aufbewahren und verstecken ?"wollte Liesa von der Frühlingsfee wissen.
"Nach Ostern verliert das Frühlingsei die Farbkraft und sieht dann weiß aus, wie ein normales rohes Ei. Am Besten, du bringst das Ei in den Hühnerstall. Dort brütet zur Zeit eine Henne. Du legst das Ei unter die Glucke und sie brütet das Ei aus. Dann wird aus dem Ei ein Osterküken und die Eisfee kann das Ei nicht mehr finden. Nächstes Jahr zu Ostern ist aus dem Küken ein Huhn geworden, und dass legt dann wieder zum Osterfest ein Frühlingsei und bringt uns die schönen Frühjahrsfarben. Der Überlieferung hat die Eisfee noch nie das Ei gefunden, denn sie sucht immer nach einem bunten Osterei. Vor dem Hühnerhahn hat sie furchtbare Angst. Wenn der Hahn kräht, sucht sie sofort das Weite und kehrt erst im nächsten Jahr aus dem hohen Norden zurück."
Die Frühlingsfee spricht zu Liesa weiter: "Jedes Jahr zum Auferstehungsfeste sucht der Osterhase ein besonderes Bauernmädchen, die die Tradition des Frühlingsei fortsetzt. Auf dem heimischen Bauernhof muss zu dieser Zeit ein Huhn Küken ausbrüten und das Mädchen muss sich täglich um die Hühner kümmern. Es muss auch den Frühling mit all seinen Farben lieben. Da du diesen Anspruch des Osterhasen zur Zufriedenheit erfüllt hast, hat er dich in diesem Jahr ausgewählt. Nun schlaf fein, tanke Kraft und träume süß vom Osterfest, denn die Eisfee wird morgen früh nach dem Frühlingsei suchen. Du musst das Ei in aller Frühe der Glucke ins Nest packen."
Am nächsten Morgen stand der Hahn auf dem Misthaufen und krähte aus vollem Hals. Am Himmel sah man die Eisfee reissausnehmen, sie flog sehr schnell davon. Auf den Kirchturm hielt sie inne und beobachtete den Bauernhof. Auf dem Anwesen rief der Hahn laut seine Hühner zusammen und krähte aus vollem Hals. Als die Eisfee das hörte, sah man nur noch eine Schneewolke aus der ein paar Eissplitter herausfielen und die Eisgestalt flog sehr schnell davon und wart in diesem Frühling nicht mehr gesehen.
Friedrich 'Buchmann