Gedanken zum Sonntag
- Allgemeines
von unserer Gastautorin Ilse W. Blomberg.
.....welche Geschichte würden Sie wählen?
Ich erinnere mich lebhaft an einen Lehrer, der die meiste Zeit seines Lebens als Missionar in Sumatra verbracht hatte.
Er war erfüllt davon, Menschen zum christlichen Glauben zu führen. Seine Begeisterung für diese missionarische Tätigkeit verhalf ihm unter uns zu dem Titel: Geist von Sumatra. Wir mochten ihn. Innerhalb einer Unterrichtsreihe stellte er uns folgende Aufgabe: „Stellen Sie sich vor, jemand möchte, dass Sie ihm von Gott erzählen, denn er ist bereit, Christ zu werden. Er kennt nichts aus der Bibel, nichts von Ihrem Glauben, aber er möchte diesen neuen Weg betreten. Was glauben Sie, mit welcher Geschichte aus der Bibel können Sie ihn erreichen, um ihm Gott nahezubringen? Und erklären Sie, warum Sie sich für diese Geschichte entscheiden?“
Wir bekamen Zeit, um darüber nachzudenken. Vor uns lagen leere Zettel und die Bibel.
Ich dachte gar nicht lange nach. Für mich war klar, da muss ordentlich Grund gelegt werden. Gott, als der Schöpfer, der Allmächtige, der Himmel und Erde geschaffen hat, von dem will ich ihm erzählen.
Nach der angesetzten Zeit berichteten wir von unseren Überlegungen. Hier gab es natürlich kein Richtig und kein Falsch. Zwei meiner Mitschüler hatten ebenfalls die Schöpfungsgeschichte gewählt.
Und dann verließ unser Lehrer seinen Platz an der Tafel, bat uns, einen Kreis zu bilden und setzte sich mit uns in den Kreis. Er schlug das Neue Testament auf, las aber nicht daraus vor, sondern erzählte mit seinen eigenen Worten die Geschichte vom „barmherzigen Vater“, die wir in Lukas 15 finden. Wir kennen Sie unter der Überschrift: „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“
„Diese Geschichte würde ich wählen“, sagte er. „Barmherzigkeit, unbeirrbare Liebe, Annahme, Güte, Vergebung und Nähe, diese Gotteserfahrung gilt es weiterzugeben. (Lk.15,20: Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.) Da ist alles drin, was wir von Gott wissen dürfen und was uns Menschen trägt.
Diese Unterrichtsstunde im Jahre 1960/61 ist eingeflossen in meine Unterrichtsstunden im Fach Religion. Ich habe diese Geschichte meinen Schülern und Schülerinnen nicht nur erzählt. Wir haben sie gespielt, wir haben Bilder von berühmten Malern dazu angeschaut, uns auch um den anderen Sohn gekümmert, wir haben sie im Rollenspiel interpretiert und einmal ein Gemeinschaftsbild erstellt, auf dem alle in dem Gleichnis beteiligten Menschen ihren Standort hatten.
Aber ganz gleich, wie oft sie Gegenstand des Unterrichts in meinem Lehrerinnenleben war, mein Lehrer – Missionar in Sumatra - unser Geist von Sumatra, saß immer dabei. Nicht als einer, der prüfen wollte, ob ich alles richtig mache, sondern als einer, der diese Geschichte unter seinen Menschen lebendig hat werden lassen, der Geschichte von der unverbrüchlichen Liebe Gottes zu uns Menschen, der uns annimmt und vergibt.
Und.... , wenn Sie jemand bitten würde: „Erzähl mir von Gott!“,
welche Geschichte würden Sie wählen?
Mit Grüßen und Wünschen in den Sonntag hinein Ilse Blomberg