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Ilse W. Blomberg: "Der Blasiussegen"

 

Eine Geschichte von unserer Gastautorin Ilse W. Blomberg. Viel Spaß beim Lesen!

Der Blasiussegen

“Durch die Bitte des Heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius befreie dich Gott von jedem Halsleiden…….”

Es war in diesem Winter, dem Winter von 2007 auf 2008. Er war ohne nennenswerten Schneefall und zeichnete sich auch nicht durch Eiseskälte aus. Er machte sich auf andere Art und Weise bemerkbar. Die Menschen liefen mit Erkältungen herum, husteten und schnieften oder lagen sogar krank im Bett.
Dieser Winter ging auch an mir nicht vorüber und sprang mir in den Hals. Die Halsentzündung blieb mir trotz Antibiotika lange treu, so etwa vier Wochen. Als ich sie endlich auf der rechten Halsseite los war, fing sie auf der linken Seite wieder an. Und als ich den Hals nach weiteren zwei Wochen endlich frei hatte, war ich so erschöpft, dass ich dachte, nur noch ein Kuraufenthalt könne mir helfen. Als es mir aber wieder besser ging, so Ende Januar, verwarf ich alle Kurgedanken und besann mich auf meine Selbstheilungskräfte. Bewegung, Vitamine, frische Luft, ausgewogene Ernährung würden mir schon helfen, nicht noch einmal so halskrank zu werden.

Dann las ich in der Kirchenzeitung vom 3. Februar unter Pfarrnachrichten: “Am Samstag und Sonntag besteht nach den heiligen Messen die Möglichkeit, den Blasiussegen zu empfangen.”

Der Blasiussegen! Ja, natürlich. Den brauchte ich auch noch. Ja, der war sogar der Allerwichtigste. Von dem heiligen Blasius ist uns überliefert, dass er im Gefängnis- so um 315/16 Wunder tat. Dort brachte ihm eines Tages ein Gefängniswärter sein Kind. Das Kind, ein Junge, war bereits blau-schwarz angelaufen und drohte zu ersticken. Blasius griff mit seiner Hand geschickt dem Jungen tief in den Hals und zog eine Fischgräte heraus.

Eine andere Überlieferung sagt, dass Blasius, das nicht mit der Hand, sondern allein durch die Kraft seines Gebetes getan hat. Wie auch immer. Er ist unser Patron für Halsangelegenheiten. Und der gläubige Katholik ist manchmal richtig hin und hergerissen, wenn er sich entscheiden muss, wen er bei Halsschmerzen zuerst anrufen soll: Den Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder den Heiligen Blasius.

Mir wies der Hinweis in der Kirchenzeitung den richtigen Weg. Ich musste den Blasiussegen bekommen, rein prophylaktisch, denn Halsschmerzen hatte ich ja nicht mehr, aber sie konnten ja wiederkommen. Also beschloss ich am Sonnabend, dem 2. Februar 2008 in die 17 Uhr Messe nach St. Elisabeth zu gehen. Aber als es dann so weit war, dachte ich: “Ach, was, geh mal lieber ganz früh am Sonntag in die Krankenhauskapelle zu Pater Hermann Josef.”

Als ich am Sonntag mit einem Becher Kaffee ganz gemütlich in meinem Ohrensessel saß, war es 8.15 Uhr. Da dachte ich: “Ach, was willst Du am frühen Morgen schon eilen. 9.00 Uhr ist viel zu früh. Geh mal nach St. Pankratius in Vorhelm. Den Pastor Honermann hast du auch lange nicht gesehen. Und die fangen erst um 10.00 Uhr an.

Als es 9.00 Uhr war, las ich vorsichtshalber in der Kirchenzeitung unter “Vorhelm St. Pankratius”, nach, ob die Messe wirklich um 10 Uhr beginnt. Da musste ich dann erfahren, dass ich mich irrte. Sie begann um 9.30 Uhr. Das würde ich nicht mehr schaffen.

“Nun”, dachte ich, “das ist auch nicht schlimm, geh mal um 11.00 Uhr nach St. Elisabeth, da predigt vielleicht die Pastoralreferentin Heintraud Schmelting. Nun guckte ich aber vorsichtshalber auch unter St. Elisabeth nach. Da stand: “Gottesdienst mit “Nord/West/Humor“. Der Gottesdienst beginnt bereits um 10.30 Uhr. Das hätte ich natürlich noch geschafft. Aber nach einem Karnevalsgottesdienst war mir heute nicht.

Da dachte ich: “Jetzt mach mal ganz gemütlich weiter. Es bleiben Dir noch drei Messen. Um 11.Uhr kannst du nach St. Ludgeri gehen. Da predigt der Willi ( Willi Stroband). Da kannst du noch ein gutes Werk tun, denn Willi und die Jugendlichen sammeln Geld für den Weltjugendtag in Australien. Dann spendest du etwas.”

Jetzt fing ich wieder an in der Kirchenzeitung hin und herzublättern und musste entdecken, dass ich schon wieder falsch lag. Willi und seine ganze Australiensache war um 11 Uhr schon fast zu Ende.

Auch das war nicht so schlimm. Es blieben mir immerhin noch zwei Messen. Also noch zweimal die Gelegenheit, den Blasiussegen zu empfangen, der mir ja so wichtig war: Um 11.00 Uhr in der St. Bartholomäuskirche und um 11.15 Uhr in der Kapelle des Elisabeth-Tombrock-Hauses.

Ich entschied mich fürs Elisabeth-Tombrock-Haus und beschloss, den Weg zu Fuß zu gehen. Es war ein schöner sonniger Sonntag. Den Weg ging ich gern, aber er war doch länger als ich dachte und so kam ich ziemlich pünktlich im Elisabeth-Tombrock-Haus an. Die Tür der Kapelle stand allerdings noch offen und heraus eilte nicht Herr Coerdt von St. Bartholomäus, der sonst treu die Gottesdienste begleitet und dem jeweiligen Pfarrer zur Seite steht, sondern der Herr Krahnenfeld, den ich aus der St. Marienpfarre kannte. Das wunderte mich schon ein bisschen, doch ich dachte, warum sollen die sich nicht aushelfen. Als ich die Kapelle betrat, spielte Herr Huster schon das erste Lied an. Die Gemeinde sang verhalten und leise mit. Mir fiel auf, dass sowohl auf der Empore als auch im Kapellenraum nicht so viele Leute saßen wie sonst. Also konnte der Gesang auch nicht so kräftig sein. Aber das war eigentlich nicht weiter schlimm, denn der Herr Pfarrer Kargus sang mit seinem begnadeten Bariton so wunderschön und laut, dass der heilige Blasius in seinem Gefängnis die helle Freude daran gehabt hätte, wenn es dann im Jahre 316 gewesen wäre.

Wir aber schrieben das Jahr 2008 und das Sonntagsevangelium handelte vom alten Simeon, von dem uns Lukas im zweiten Kapitel erzählt.

Pfarrer Kargus legte dann das Evangelium aus und bezog uns Gottesdienstbesucher sensibel mit ein. Man merkte, er hat ein Herz für die Bewohner des Seniorenheimes.

Nachdem die Messe sich dem Ende näherte und alles, was zu einer Messe gehört, getan war, wartete ich doch ungeduldig auf meinen Blasisussegen. Und ich wartete darauf, dass Herr Pastor Kargus die extra für diesen Segen gestaltete Blasiuskerze in die Hand nimmt und uns segnet. Oder, wenn diese nicht vorhanden war, zwei Kerzen in die linke Hand nimmt und sie in der Form eines Andreaskreuzes über uns hält und die Segensworte spricht.

Aber er nahm keine der möglichen Kerzen in die Hand, weder in die linke, noch in die rechte, sondern wandte sich uns mit folgenden Worten zu:

“Ich bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Krahnenfeld. Herr Krahnenfeld hat heute Herrn Coerdt vertreten. Herr Coerdt ist leider erkrankt und deshalb haben wir nun ein Problem, das eigentlich kein Problem ist. Nur --- ich kann Ihnen heute den Blasisussegen nicht erteilen. Wir haben nicht die entsprechenden Kerzen. Aber das ist wirklich nicht schlimm. Ich spende den Blasiussegen am nächsten Sonntag. Und da wirkt der genauso. Und wenn ich es genau betrachte und positiv sehe, dann werden am nächsten Sonntag noch viel mehr den Blasiussegen empfangen können. Denn durch den Norovirus, der viele Bewohner noch schwach sein lässt, sind heute viele Plätze in der Kapelle leer geblieben.”

Mir allerdings fiel der Unterkiefer runter. Kein Blasiussegen?

Ich wusste nämlich genau, dass am nächsten Sonntag mein Platz links an der Heizung neben Frau Bröckelmann bestimmt leer bleiben würde. Für den Sonntag hatte ich schon andere Pläne und heute Abend war ich auch verhindert, um in die Abendmesse zu gehen.

So bekam ich also am 3.Februar des Jahres 2008, dem Tag nach Mariä Lichtmess keinen Blasiussegen. Und ich hörte nicht die wunderbaren Segensworte:

“Durch die Fürbitte des Heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius befreie dich Gott von jedem Halsleiden und jedem anderen Leid.”

Vielleicht habe ich im nächsten Jahr mehr Glück, denn an mir hat es ja nicht gelegen. Oder?

 

Ilse W. Blomberg
aus dem Buch "Es knistert im Kamin"

Ilse W. Blomberg