Ilse W. Blomberg: "Nikolaus - gibt es ihn?"
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Unsere Gastautorin Ilse W. Blomberg erzählt uns heute Nikolaus-Geschichten aus ihrer Zeit als Lehrerin.
Nikolaus - gibt es ihn?
Don-Bosco-Schule, 80iger Jahre.
Es ist der 5. Dezember. Im Religionsunterricht erzählt die Lehrerin die Legende vom Heiligen Nikolaus. Sie schließt die Legende mit den Worten:
„..und dieser liebe und gute Bischof hat einmal wirklich gelebt.“
„Aber den gibt es heute auch noch!“, ruft Kristian laut in die Klasse hinein. Ich weiß es, denn ich habe ihn ganz richtig gesehen.“
Er zögert ein wenig: „Also nicht richtig, aber eigentlich doch richtig. Ich meine, fast richtig.
Das war so. Da wohnten wir noch nicht hier in Deutschland. Und da habe ich ihn gesehen, vielleicht auch nicht, aber eigentlich doch. Wir wohnten in einem Haus. Und mein Freund wohnte in dem Haus daneben. Es war morgens. Ich war im Badezimmer und wusch mir die Hände.
Da rief meine Mutter: Kristian, guck mal, ein Päckchen vom Nikolaus!
Da lief ich ganz schnell aus dem Bad und da stand die Haustür noch offen und da habe ich ihn gesehen, ganz schnell war er. Und im gleichen Moment bekam mein Freund im Nachbarhaus auch ein Päckchen vom Nikolaus, im allergleichsten Moment. Jetzt frage ich die ganze Klasse:
Wie kann ein Mensch so schnell sein?
Nikolaus im Turnverein
90iger Jahre Don-Bosco-Schule
„Frau Blomberg, Frau Blomberg. Ich bin schon so aufgeregt. Heute Nachmittag kommt der Nikolaus in unseren Turnverein. Ich freue mich so auf die Nikolaustüte. Was da wohl drin ist? Und dann der Nikolaus, wenn die Tür aufgeht. Ach, ich freu mich so!“ strahlt Markus.
Sein Freund Andreas teilt die Spannung: „Ich freue mich auch schon und bin aufgeregt.“
Am anderen Morgen frage ich die beiden Freunde: „Na, wie war es denn gestern in der Sportgruppe mit Nikolaus?“ „Ja, gut. In der Tüte war sogar ein kleines Plüschtür drin und Nüsse und Süßigkeiten
und Mandarinen.“ berichtet Markus.
„Und Nikolaus ist auch gekommen?“, frage ich die beiden. „Ja, ja, aber nicht der echte.“
„Nein“, wiederholt Andreas, der echte Nikolaus war es nicht.“
„Wieso, nicht der echte?“, forsche ich nach.“
„Nein, der echte ist nämlich der Herr Bitter und der war krank.“
Kinderäußerungen zum Nikolaus!
Carina, 9 Jahre alt:
Eigentlich glaube ich nicht mehr an den Nikolaus, aber so um den 5./6. Dezember herum, denke ich: Warum eigentlich nicht!
Lena, 7 Jahre alt:
Nikolaus gibt’s, bringt ja die Geschenke.
Heiner, 8 Jahre alt:
Nikolaus gibt’s. Voriges Jahr wohnten wir noch in Ahlen und jetzt wohnen wir in Vorhelm. Und trotzdem hat mir der Nikolaus etwas gebracht.
Stephanie, 8 Jahre alt:
Nikolaus gibt es nicht. Meine Mutter hat mir das erklärt und meine Mutter hat mich noch nie belogen.
Andreas, 8 Jahre alt:
Meine Mutter sagt: Nikolaus gibt es nicht. Ich lass sie in dem Glauben.
Ute, 9 Jahre alt:
Meine Mutter will, dass ich noch an den Nikolaus glaube. Ich tu ihr den Gefallen, jedenfalls noch dieses Jahr.
Pascal schreibt auf einen Zettel. Er ist im ersten Schuljahr:
Opesdichgibtodaopesdichnichgbtschreie.
(Ob es dich gibt – oder ob es dich nicht gibt – schreibe)
Hans Jürgen und der Nikolaus
Paul-Gerhardt-Schule 1969
„Nikolaus gibt’s nicht. Das kann ich euch beweisen!“ teilte Hans Jürgen der Klasse mit.
„Also, wir saßen im Wohnzimmer. Mama und meine Geschwister, Papa nicht. Mama sagte: Der kommt noch. Da pochte es auch schon an der Tür und der Nikolaus kam herein. Er hatte einen roten Mantel an und eine rote Kapuze auf und an der Kapuze war weißes Fell. Dann hatte er einen Sack mit, so einen Kartoffelsack. Auf dem Kartoffelsack waren gelbe Sterne aus Goldpapier. Oben aus dem Kartoffelsack kam ein Tannenzweig heraus. In der Hand hatte der Nikolaus auch noch eine kleine goldene Schelle. Dann sagte er was und seine Stimme war ganz tief und rau, wie verstellt. Dann fragte er uns: Wart ihr denn alle lieb? Wir waren alle lieb. Dann fragte er noch: Wer kennt ein Gedicht? Dann hab ich das Gedicht: /Holler, boller Rumpelsack / aufgesagt. Keinmal vertan.
Er sagte: Hans Jürgen, komm mal her. Du darfst dir zuerst was aus dem Sack holen.
Und jetzt habe ich es nämlich gemerkt. Als ich ganz nah an Nikolaus dran war, hab ich den Tabak gerochen. Das war der Tabak, den mein Vater immer in seiner Pfeife raucht. Und am nächsten Tag habe ich das Nikolauskostüm auf dem Dachboden gesehen. Es hing auf einem Bügel. Aber gesagt habe ich nichts. Doch ich weiß es. Nikolaus machen die Väter.“
Am anderen Tag kommt Hans Jürgen mit einem Schokoladennikolaus in der Hand auf mich zu und strahlt: „Guck mal, den habe ich vom Nikolaus bekommen!“
„Vom Nikolaus, Hans Jürgen? Du sagtest doch, den gibt es nicht. Das machen die Väter.“
„Ja, ja klar, aber vor Hill, auf der Oststraße, da war der echte.“
Ilse W. Blomberg