Margit Becker: "Ein Abend... nicht wie immer"
- Allgemeines
Der Titel dieser Geschichte von unserer Gastautorin Margit Becker regt zum Nachdenken an.....aber lesen Sie selbst!
Ein Abend... nicht wie immer
Erschrocken darüber, doch eingeschlafen zu sein, schaute ich mich etwas irritiert um. Klaus schlief auch. 10 Uhr jeden abends in unserem Wohnzimmer. Ich stand auf, ging ins Bad und schaute kurzzeitig aus dem Fenster in die dunkle Nacht.
Etwas von dem Schnee vor 2 Tagen lag noch und so konnte ich sehen, dass auf dem Rasen hinter Bachmanns Scheune ein Auto stand. Da hat doch noch nie ein Auto gestanden, dachte ich beim Zähneputzen. Beim Verlassen des Bades schaute ich noch einmal durch das Fenster.
Da hat wirklich noch nie ein Auto geparkt. Seltsam. Ich machte das Bad Licht aus und blieb einige Minuten ,in der Dunkelheit neugierig nach draußen starrend, stehen. Dann ging ich durch das Wohnzimmer bis ans Ende der Diele, denn von dort aus konnte ich sehen, ob bei Bachmanns noch Licht war. Kein Licht. Ariane hätte es mir heute Morgen gewiss gesagt, wenn sie Gäste gehabt hätten.
Nein, da hat noch nie ein Auto gestanden. Ich weckte Klaus. Schlaftrunken schleppte ich ihn ans Badfenster.
"Ob da jemand einbrechen will?"
"Der stellt sein Auto doch nicht hinter die Scheune." Er gähnte.
"Oder jemand will Selbstmord begehen und sich in der Mulde ertrinken?"
"Quatsch. Ich gehe mal nachschauen", sagte Klaus.
"Du bleibst hier. Du gehst da nicht raus. Der schlägt dir eine Schaufel über den Kopf und das war`s dann", widersprach ich.
Ich stellte mich demonstrativ in den Weg. Es half nichts. Unerschrocken ging Klaus über den Hof, dann auf die Straße. 20 Meter Abstand blieben dennoch bis zu dem parkenden Auto. Er kam zurück. Aha, doch nicht so mutig, schmunzelte ich zufrieden.
"Ein alter Opel mit Dresdner Kennzeichen. Wer weiß. Ich geh schlafen," sagte Klaus.
"Ich rufe jetzt die Polizei. Da hat noch nie ein Auto gestanden", sagte ich immer noch beunruhigt.
"Was wollen denn die schon machen? "
Im Moment wären alle Einsatzfahrzeuge im Einsatz, aber so wie einer frei ist, würde er bei uns vorbei kommen, sagte der Polizist am Telefon.
"Siehste, die nehmen dich gar nicht ernst."
"Ich warte jetzt, bis die Polizei kommt." Klaus ging schulterzuckend ins Bett und nach 40 Minuten, als der Streifenwagen kam, stand er gleich wieder neben mir und schickte sich, die Polizei zu begrüßen. Immerhin waren wir die Beobachter. Eigentlich ich, aber das wollte keiner wissen.
Man fand Spuren im Schnee, die in Richtung Stadtpark führten. Sonst nichts. Kein Verdacht auf eine wirkliche Straftat.
"Sie kommen in der Nacht noch mal vorbei. Wir sollten ein Bisschen aufpassen."
"Was jetzt? Sollen wir hier am Badfenster warten, bis der Kriminelle sein Auto wieder holt?"
"Wenn wir wissen wollen, wer in das Auto steigt, ja, dann ja", sagte Klaus eher etwas unsicher.
Klaus stellte 2 Hocker ans Fenster und ich holte eine Flasche Rotwein und 2 Gläser, schob die Ostseemöwen zur Seite und stellte das Glas mit den Muscheln aus Ägypten auf den Fußboden. Es war Mitternacht und die Luft knisterte vor Spannung.
Unheimlich war es in dem dunklen Badezimmer, sacht klirrten beim Anstoßen unsere Gläser. Unser Blick glitt sofort auf den parkenden PKW mit Dresdner Kennzeichen und ich dachte, hoffentlich kommt der erst zurück, wenn die Flasche leer ist. Ich lächelte.
Es ist eben doch manchmal kein Abend wie der andere.....
Margit Becker
Die Autorin persönlich:
Geburtsjahr 1953
Ich wohne mit meinem Mann in einem kleinen Haus im Randgebiet von Leipzig.
Wir leben sehr naturverbunden. Unser Garten hat keinen englischen Rasen, sondern eine Wiese für Bienen und Gras für Kaninchen.
Ich habe 2 erwachsene Töchter und ein Enkelkind.
Seit Februar 2017 bin ich im Ruhestand und habe davor 40 Jahre als Lehrerin für Mathematik und Chemie gearbeitet.