Marietta Rackow: "Adventsvorbereitung im Jahre 1946"
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Unsere Gastautorin Marietta Rackow schildert uns eine Adventsvorbereitung aus ihren Kindertagen.
Adventsvorbereitung im Jahre 1946
Es war an der Zeit, für den Adventskranz das Tannengrün zu holen. Wir Nachbarskinder durften dies erstmals alleine angehen. Gut gelaunt stapften wir zu einem etwa 1 km entfernten Wäldchen.
Um in den Wald zu gelangen, mussten wir einen kleinen Graben überwinden. Nun konnte man diesen aber unter dem Schnee nicht gut erkennen. Doch schafften wir es alle ohne Schwierigkeiten in den Busch zu gelangen. Dort suchten wir uns die schönsten Tannenzweige zusammen. Bald hatte jedes von uns Kindern ein großes Bündel in den Armen.
Nun wollten wir nur schnell wieder ins Warme nach Hause. Unsere gute Laune war längst der beißenden Kälte erlegen. Doch schon mussten wir ein kaum zu überbrückendes Hindernis bewältigen, denn der kleine Graben, den wir auf dem Weg in das Wäldchen als harmlos übersprungen hatten, war jetzt eine tückische Falle. Die Tannengrünladung versperrte uns die Sicht und wir tappten blindlings direkt in den Graben hinein. Angetan mit festem Schuhwerk wäre dies kein Problem gewesen. Doch für die schnell wachsenden Kinderfüße gab es in den ersten Nachkkriegsjahren kaum passende feste Schuhe, so dass die meisten von uns in Holzsschuhen mit "Papierisolierung" herumliefen.
Es blieb nicht nur ein "Holzschen" im Schnee stecken. Mühsam mussten diese nun aus dem Schnee gefischt, vom Schnee und meist auch vom isolierenden Zeitungspapier befreit werden, ehe wir zögernd die nun vollends ausgekühlten Füße wieder in die Holzsschuhe stecken konnten.
So stolperten wir mit vor Kälte schmerzenden Füßen und Händen durch die Dämmerung heimwärts. Der Rückkweg dünkte uns mindestens doppelt so weit wie der Hinweg. Schniefend und stöhnend brachten wir unsere Last nach Hause.
Dort bereitete Mutter für die eiskalten Füße und Hände ein Wechselbad, um den drohenden Frostbeulen vorzubeugen. Aber schon als Mutter den Adventskranz band, waren sämtliche Mühen und Plagen vergessen. Und beim Licht der ersten Adventskerze waren wir alle stolz, dass wir in diesem Jahr für das adventliche Tannengrün gesorgt hatten. So schön hatte es doch eigentlich in den Jahren vorher nie geduftet.
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Wenn auch Sie eine adventliche Geschichte aus Ihren Kindertagen zu erzählen haben, dann würden wir uns freuen, diese hier zu veröffentlichen. Senden Sie uns bitte Ihre Geschichte!
Foto: knipseline/www.pixelio.de