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"Niees ut Voerem" - Plattdeutsch auf der Seniorenseite


„Libbet van Poggenstohl“ berichtet auf ihre Art und Weise aus dem Dorf. Über "Stüörmige Tieden" (Stürmische Zeiten) schreibt  sie diesmal (mit Übersetzung).

 

Stüörmige Tieden

In de lesten Dage sin ik maol wieher bi de Wibbeltkapell west. Meinee dat Unwäir in Fröhjaohr is do örnlik dörbruset. De schönen ollen Baim, weeke de Vader von Augustin no puort har, sin untenanner bruoken. So dat de jungen Lüh von Hoff met de Sage dran mochen. Et was eenfach tou gefäörlick fö de Besökers.
De Ingang steiht ouk derbe demoleert tüsken de Braken. Een truriget Beld. Un nu is ouk no de direkte Nokurmen up`en Wibbelthoff, Mathilde Rötering, geb. Wibbelt, stuorwen.
Öves et sin düftige junge Lühe up'en Hoff,de dat Wiärk in Schuss brengt. Äs ik so fö de Kapell stonn, kamm mi so in Sinn, wi dat so  fö fief Jaohrn was.  An 12. Septmber, de Fier fö Augustin sien 150tig jäohriget. Dat ganz Dourp was up'en Patt. Sogar urse Bischop Stefan Zekorn ut Mönster har siek en paar Wiärken later, up Wibbelts Hoff anmeld. De Kapell waor up fordermann bracht. Et was son richtig schönen Hiärwstdag. Mathilde har inne groute Kürke all den langen Disk decket. De Enkel kam met 'ne Schuffkaor vull Holt harin schuorwen, un stack dat graute Hiärdfüer an. He schmeet örnlike dicke Rengel drup un dat gonk aff dör'n Kamin!  Mathilde meent: Jung mak dat nich so harre. Och, säch he, bi urs sall ouk de Bischop nich freisen.
So nu was't sowiet, de guede  Mann ut Mönster kamm vögefuort. Steeg ut, waor von Heimatverein, ursen Pastore Honermann un anner Persönlikkeiten ut'en Dorp in Emfang nurmen. Toärst gonk et tou de Kapell. Do hätt dann Pastore Honermann örver Dr. Augustin Wibbelt un de Kapell wat vötellt. De Bischop was derbe intresseert un säch hä könn ouk son bittken Platt küern. He was ouk ganz ergrieppen von de idylischken Lage. De Sunn scheen met ähre vulle Kraft dör de Baim. Dat Hiärfstlaub löchtete in de schönsten Farwen un de Vürgel wassen an't singen. Dat hä, ouk ursen  Dichter Augustin gefallen.  Dann gonk et in't Hus an'n Kaffeedisk. Auk do gaff de Sunn ähr Bestet, se scheen dör't Fenster in'ne Kürke. Dat Holt in Hiärdfüer was örnlik an knacken un et was tütge warm. Bi Mathildes sölvst gebackenen Koken un nee guede Tass Kaffee waorn so eenige Dönekes vötellt.De Tied flaug men so dohen un de Bischop Zekorn moss siek beielen üm no passend toum neichsten Termin to kurmen. Jä,so vögeiht de Tied. Ik häff no een Beld funnen, von denn schönen Kaffeedisk.
Ik will es hopen, dat urs de Kapell erhollen blief un siek no een paar junge Lühe find, de Ideen häff un ouk anpacken könnt. Et wör doch schöön wenn alls wieher in Order kümp.
 
                                    So, laot ju wat Juhe Libbet

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Stürmische Zeiten

In den letzten Tagen war ich mal wieder an der Wibbeltkapelle. Das Unwetter im Frühjahr ist ja ordentlich dadurch gebraust. Die schönen, alten Bäume, die noch von Augustins Vater gepflanzt wurden, sind teilweise auseinandergebrochen. Die jungen Leute auf dem Hof mussten mit der Säge dran, da es eine Gefahr für die Besucher war.
Der Eingang steht auch stark demoliert zwischen den Sträuchern. Ein trauriges Bild. Vor einigen Wochen verstarb auch die letzte direkte Großnichte auf dem Wibbelthof, Mathilde Rötering geb. Wibbelt. Sie hinterlässt tüchtige, junge Leute, die den Hof aufrecht erhalten.
Als ich so vor der Kapelle stand, kam mir die 150 Jahrfeier am 12. September vor 5 Jahren in den Sinn. Das ganze Dorf war mit eingebunden. Sogar unser Bischof Dr. Stefan Zekorn aus Münster meldete sich einige Wochen später auf dem Wibbelthof an. Die Kapelle wurde hergerichtet. Es war ein richtig schöner Herbsttag.  Mathilde hatte in der großen Küche den langen Tisch festlich gedeckt. Der Enkel kam mit einer Schubkarre voll Holz herein und zündete das große, alte Herdfeuer an. Er schmiss ordentliche dicke Stämme drauf, das zog richtig durch den Kamin. Mathilde meinte: Junge, übertreibe es nicht! Ach, sagte er: Bei uns braucht der Bischof nicht zu frieren.

So, nun war es endlich soweit - der gute Mann aus Münster fuhr vor. Stieg aus, wurde vom Heimatverein, unserem Pastor Honermann und vielen anderen Persönlichkeiten aus dem Dorf empfangen. Zuerst ging es zur Kapelle, dort sprach Pastor Honermann über Dr. Augustin Wibbelt und die Kapelle. Der Bischof war sehr intressiert und erwähnte, dass auch er ein wenig Platt sprechen kann. Er war sehr angetan von der idyllischen Lage.
Die Sonne schien mit ihrer ganzen Kraft durch die Bäume. Das Herbstlaub leuchtete in den schönsten Farben und die Vögel sangen. Das hätte auch unserem Dichter Augustin Wibbelt gefallen. Dann ging es ins Haus an den Kaffeetisch. auch dort gab die Sonne ihr Bestes, sie schien durch das Fenster in die Küche. Das Holz knackte im Kamin und es war angenehm warm.  Beim selbstgebackenen Kuchen von Mathilde und einer guten Tasse Kaffee wurden so einige Geschichten erzählt. Die Zeit verging im Nu und der Bischof Zekorn mußte sich beeilen, um noch pünktlich zum nächsten Termin zu kommen. Ja, so vergeht die Zeit.

Ich hoffe, dass uns die Kapelle erhalten bleibt und sich einige junge Leute finden, die Ideen haben und auch umsetzen können. Es wäre schön, wenn alles wieder in Ordnung kommt.                                                               

                                                         So, bis dann Eure Liesbeth!

der Pilz in Vorhelm